Demografie-Preis für die Rössler Linie

3 Generationen Rössler Kurier Januar 2015

Drei Generationen auf der „Rhein Star“:

Bianka Rössler am Ruder,
der Senior Klaus-Peter und
Tochter Samanta.

 

 

Demografie-Preis 2014 Urkunde

 

 

 

Wiesbadener Kurier vom 16.01.2015 /Von Ulrike Würzberg

ASSMANNSHAUSEN – Es ist ihr Traumberuf. Von klein auf war sie dabei, wenn ihr Vater mit Fahrgästen an Bord auf dem Rhein unterwegs war. Die Prüfer in Mainz, bei denen sie kurz vor ihrem 21. Geburtstag ihr Rheinschifferpatent machen wollte, konnten das mit dem Traumberuf aber kaum glauben. „Auch beim Lehrgang in Duisburg war ich die einzige Frau – und ich war die jüngste,“ sagt Bianka Rössler.

Eine erste Berufsausbildung hatte Bianka Rössler damals schon hinter sich – bei MAN in Geisenheim hatte sie Maschinenschlosserin gelernt. „Das war ideal,“ erzählt sie, „um 15 Uhr war Feierabend – danach ging‘s aufs Schiff.“ Als Matrose fuhr sie mit, wenn der Vater mit Touristen Richtung Mainz oder zur Loreley aufbrach. Eine bestimmte Anzahl von Fahrten und Streckenkunde sind unter anderem Voraussetzungen, wenn man ein Rheinschifferpatent machen will, das immer nur für bestimmte Abschnitte gilt. Beim Vater lernte die Tochter die Praxis.

Inzwischen hat Bianka Rössler, Jahrgang 1977, noch eine dritte Ausbildung absolviert, ein kaufmännische. „Das ist heute viel wichtiger als früher,“ sagt der Senior Klaus-Peter Rössler. Er ist inzwischen 78 Jahre alt und steht nach wie vor am Ruder, Geschäftsführerin der 2011 gegründeten GmbH ist die Tochter. Mit Enkelin Samanta ist auch schon die nächste Generation an Bord. Die 16-Jährige strebt eine Ausbildung im Bereich Reise und Tourismus an. „Aber dann will ich auch zu den Schiffen“, sagt sie.

Der Rheingau-Taunus-Kreis hat die Schifferfamilie Rössler, die jetzt in siebter Generation auf dem Rhein fährt, mit dem Demografiepreis ausgezeichnet; ausgeschrieben war der Preis für Betriebe, die generationenübergreifend arbeiten. Und gerade das ist Bianka Rössler wichtig. „Man kann von den älteren Menschen so viel lernen,“ sagt sie, auch das übrige Team an Bord der Schiffe besteht aus jüngeren und älteren Mitarbeitern – von den Matrosen über den Steuermann bis zu den Servicekräften, die die Fahrgäste bei Rundfahrten mit Speisen und Getränken versorgen.

Vier Schiffe der Rössler-Linie liegen an den Anlegern vor Assmannshausen: „St. Nikolaus“, 1952 gebaut, ist das Kleinste, für Gruppenfahrten geeignet. Das Ausflugsschiff „Rheingau“, das im Sommer Burgenfahrten macht, die „Rhein Star“, Baujahr 2003, ist das größte der Schiffe, und die „Rhein Dream“ ist das neueste Schiff, das 2011 bei der Lux Werft in Mondorf vom Stapel lief. „Das ist komplett nach unseren Wünschen gebaut worden,“ sagen Vater und Tochter.

Wer im Ruderhaus der „Rhein Star“ steht, vermisst das Steuerrad. Bianka Rössler und Vater Klaus-Peter zeigen auf verschiedene kleine Räder und Hebel zur Steuerung. „Auf unserem neuen Schiff sieht das noch mal anders aus“, sagen sie.

Erinnerungen an Ruderboote

Klaus-Peter Rössler – er heißt eigentlich Nikolaus, wie schon sein Vater und der Schutzpatron der Seeleute – erinnert sich noch gut an seine Kindheit und an Ruderboote, mit denen Fahrgäste einst über den Rhein gefahren wurden. Die Boote mussten wieder aktiviert werden, als nach dem Zweiten Weltkrieg vieles zerstört und Treibstoff knapp war. In der starken Strömung des Rheins brauchte es gute Kenntnisse, um Passagiere sicher über den Strom zu bringen. Bis 1923 wurden die Passagiere von Familie Rössler nur mit Ruderbooten auf dem Rhein gefahren, „danach gab es einen Eisennachen mit Motor,“ erzählt der Senior. Nach dem Zweiten Weltkrieg half sein Vater mit dem Boot, die Trümmer der Hindenburgbrücke aus dem Rhein zu holen, „ab 1948 kamen wieder Touristen“.

Das ist so geblieben. Doch Burgen gucken, zur Loreley fahren und an Bord ein Glas Wein trinken – wer vier Schiffe besitzt, muss mehr bieten, meint Bianka Rössler. Es gibt ein Kulturprogramm, und man kann die Schiffe für Feste oder Konferenzen chartern – und man kann an Bord sogar heiraten. Die Trauung vollzieht allerdings nicht der Kapitän, es kommt ein Standesbeamter an Bord.

Heiraten an Bord

Januar und Februar ist die ruhige Zeit, erst Ende März werden wieder Burgenfahrten angeboten. Eine Besatzung steht aber immer bereit, falls sich spontan jemand zu einer Rheinfahrt entschließen sollte. Wie jener Russe im Hotel „Krone“ in Assmannshausen, von dem Klaus-Peter und Bianka Rössler erzählen. „Wir müssen flexibel sein.

 

 

Rheingau Echo vom 30.11.2014

Demografiepreis 2014 ging in den Rheingau

Preisträger sind die Rössler Linie Fahrgastschifffahrt und die Rheingauschule Geisenheim

Der Demografiepreis des Rheingau-Taunus-Kreises 2014 ging an die Rössler Linie Fahrgastschifffahrt und die Rheingauschule Geisenheim.

Rheingau. (mh) – Auch in diesem Jahr hat der Rheingau-Taunus-Kreis den Demografiepreis unter dem Thema „Wissen, was zu tun ist – wie Betriebe es schaffen, Arbeitswelten generationenübergreifend zu gestalten“, ausgelobt. Dabei hat die Rössler Linie Fahrgastschifffahrt den ersten Preis und und die Rheingauschule in Geisenheim den zweiten Preis erhalten.

In der Rössler Linie wird, wie Bianka Rössler ihre Bewerbung begründete, seit vielen Jahren eine demographische Unternehmensführung praktiziert. Dies heiße, dass die gesamte Handlungs- und Vorgehensweise bei unternehmerischen Entscheidungen auf die unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Belastbarkeiten von Mitarbeitern verschiedenen Alters abgestimmt werden.

Diese Art der Unternehmensführung sei jedoch nicht quasi „über Nacht“, auf Grund der Erkenntnisse der Geschäftsleitung praktiziert worden, sondern sei vielmehr das logische Resultat eines langfristigen Prozesses in einer sehr alten Schifferfamilie, die ihr Gewerbe schon in der siebten Generation betreibt.

Nachdem der Wechsel in der Nachfolge der Geschäftsführung bei sechs Generationen mit der „Übergabe des Ruders“ erfolgt sei, habe sie als einziger weiblicher Kapitän der Fahrgastschiffart am Rhein erkannt, dass ein Unternehmen nur durch Wachstum in der heutigen globalen Welt bestehen kann.

Mit der Modernisierung der Flotte und der damit verbundenen neuen Technologien sei es für sie jedoch nicht denkbar gewesen, ihren Vater mit jahrzehntelanger Erfahrung als Schiffsführer in den Ruhestand gehen zu lassen. Deshalb habe sie ein Modell entwickelt, „dass sowohl meinem jugendlichen Expansionsdrang als auch der routinierten Arbeit meines Vaters gerecht wurde“.

Mittlerweile habe die Schifffahrtslinie vier Schiffe. Das neue Schiff werde von ihrem Cousin gefahren und auch ihr Vater unternehme noch immer seine Touren. Ein neu eingestellter 50-jähriger Schiffsführer stelle ein Bindeglied dar. Ihre Tochter, mit 16 Jahren auf dem Schiff groß geworden, absolviere eine touristisch fundierte Ausbildung.

Während früher im Service und in der Nautik lieber junge und belastbare Mitarbeiter eingestellt wurden, spiele dies heute kaum mehr eine Rolle. Weil Erfahrung und Engagement für die Firma altersunabhängige Auswahlkriterien seien, beschäftige ihr Unternehmen sowohl junge als auch ältere Mitarbeiter. Dabei es notwendig, Konfliktpotenzial zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

Letztlich gebe es jedoch kein Patentrezept dafür, wie eine demografische Unternehmensführung funktioniert. Wichtig sei, alle Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten und ihrem Leistungsvermögen einzusetzen, ihnen die Wichtigkeit ihrer Arbeit zu verdeutlichen und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen.

„Unsere Firma hat es erfolgreich geschafft“, so Bianka Rössler abschließend, „junge und ältere Mitarbeiter erfolgreich nebeneinander einzusetzen“. Deshalb habe sie auch keine Ängste vor dem demographischen Wandel